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Nibelungenlied – Handschriften in der Münchener Staatsbibliothek

Unsterblicher Heldengesang

„Uns ist in alten Maeren…“ – Kaum ein Mythos hat an den deutschen Befindlichkeiten so gezerrt wie „der Nibelungen Not“. Hermann Göring berief sich bekanntermaßen 1943 auf ihn, als er die vor Stalingrad dahinsterbenden Soldaten über das Radio auf den „Heldentod“ einschwören wollte. Das deutsche Kaiserreich ging in „Nibelungentreue“ während des Ersten Weltkriegs an der Seite der Donaumonarchie unter. Der historische Hintergrund der Nibelungensage liegt im Europa der Völkerwanderungszeit. Einen Teil bildet die Katastrophe der Burgunden, die vom Rhein in das römische Gallien vordrangen und dort um 436 von dem römischen Feldherrn Aëtius und hunnischen Verbänden geschlagen wurden. Dazu kommt der Tod des Hunnenkönigs Attila, der 453 an der Seite einer Germanin mit Namen Hildico gestorben sein soll. Die Wurzeln der historischen Überlieferung von Siegfried dem Drachentöter sind schließlich in der merowingischen Geschichte des 6. Jahrhunderts zu suchen.

Das Nibelungenlied, wie wir es heute kennen, wurde um 1200 von einem unbekannten Dichter am Hof des Passauer Bischofs Wolfger von Erla auf Grundlage der alten Sagenstoffe verfaßt und gehört zu den großen Leistungen der Weltliteratur. Mit den Handschriften A und D besitzt die Bayerische Staatsbibliothek München zwei der wichtigsten Textzeugen des Epos.  Anlässlich der Aufnahme der Handschrift A des Nibelungenlieds in das UNESCO-Weltdokumentenerbe präsentiert die BSB dieses herausragende Beispiel der europäischen Heldenepik in einer Ausstellung in der Schatzkammer. Die Handschriften und B (St. Gallen) und C (Karlsruhe) waren bereits früher schon der Öffentlichkeit zugänglich, werden jedoch auch in der jetzigen Ausstellung thematisiert.

Handschrift A ist nach neuen Erkenntnissen die älteste, in jeden Fall die kürzeste unter den Texten und entstand Anfang des letzten Viertels des 13. Jahrhunderts in einem unbekannten Schreibzentrum im alpenländischen, vielleicht Tiroler Raum. Sie ist mit einfachen roten Initialen und Aventiuren-Überschriften rubriziert und wurde von ihren unbekannten Vorbesitzern offensichtlich intensiv benutzt. Die Geschichte des Codex bis zu seiner Entdeckung in Hohenems im Jahr 1779 liegt völlig im Dunkeln. 1803 ließ die letzte Gräfin Hohenems Teile der Bibliothek, darunter die Nibelungenlied-Handschriften A und C, auf ihren Wohnsitz in Böhmen schaffen. Nach ihrem Tod erhielt 1807 der Jurist Michael Schuster in Prag den Codex als Geschenk. Von ihm erwarb ihn 1810 die Münchener Hof- und Staatsbibliothek.

Die Handschrift A des Nibelungenliedes wurde zum Schutz des Originals im Auftrag der Bayerischen Staatsbibliothek im Februar 2009 in einer Blätterversion digitalisiert. Sie wird seit August 2009 im Rahmen der Bayerischen Landesbibliothek Online präsentiert und ist durch ein Inhaltsverzeichnis erschlossen, daß das Anwählen einzelner „Aventiuren“ ermöglicht. Eine Erweiterung des Angebots um das Digitalisat der Handschrift D sowie um frühe Drucke und Editionen des Nibelungenliedes ist geplant.

Der Text, vielfach als eine Art „Ilias der Germanen“ gelobt, ist also im digitalen Zeitalter angekommen. Dennoch sollten seine Inhalte nicht nur auf ostasiatischen Billigfestplatten sondern vor allem in den Köpfen der Deutschen gespeichert bleiben. Die hervorragende Ausstellung gibt Anlaß, sich mit einem der bedeutendsten Texte der deutschen Literatur erneut zu befassen.

„Unsterblicher Heldengesang“, noch bis 7. Februar 2010, Bayerische Staatsbibliothek in München. Der Eintritt ist frei. Zu Führungen bitte anmelden!

Kontakt: www.bsb-muenchen.de

 

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